Workshops

How to Dis appear

mit Grace Euna Kim

Fr, 21.06.2019, 14:00—16:00 Uhr
Schauspiel Leipzig, Studiobühne

 

The workshop performance How to Dis appear is a subversive inquiry into the ontology of truth inside fiction, and the processes by which social fictions are negotiated, consensualized, and normalized. This underscores the ideology of bodies in space, the politics of the gaze, and the overarching dilemma of freedom — can one ever be truly free?

The experience manifests through an interactive, symbolic discourse of bodies in space, and a deconstruction of the body as a social microcosm. This calls into question the unspoken languages, movements, and gestures that are inscribed into socio-spatial imaginaries, and what is at stake in how relational fictions are embodied and reproduced. What are the implicated historical and future mythologies? How do people organize their relation to the dominant logics of order, and moreover—how do they then locate themselves in relation to each other? Who and what colonizes whom, and why? You will experience a poetic mirror to your own social imaginary, and the questions that this provokes.

Language: English
It is recommended to come in comfortable attire.

PRE-REGISTRATION IS REQUIRED by June 20 at howtodisappear@euna-kim.com.

Infos zur Workshopleitung

Grace Euna Kim is an artist and researcher based between Berlin and New York. Her performances are immersive social experiments that aim to interrogate, decode, and reinvent the theatre of the audience themselves, and thereby work through deeply embedded socio-political issues. She has presented her work in numerous performance, visual art, and research-oriented contexts, recently including ASCA, University of Amsterdam (2019), Frankfurt Lab (2018), Solyanka VPA, Moscow (2018), Port Sevkabel, St. Petersburg (2018), Blueproject Foundation, Barcelona (2017), Museum of Nonconformist Art, St. Petersburg (2017), Seoul Museum (2016), Flutgraben, Berlin (2016), and Clervaux Cité de l’Image, Luxembourg (2016).

In andern Köpfen

Arbeit mit der Methode des Live-Reenactments
mit Marina Miller Dessau und Arne Vogelgesang (internil)

Fr, 21.06.2019, 14:00—16:00 Uhr
Schauspiel Leipzig, Probebühne

 

Unter dem Label internil machen wir Theater im Medien- und Informationszeitalter. Dabei arbeiten wir mit der Methode des Live-Reenactments, des körperlichen/sprachlichen Nachvollzugs von Mediendokumenten in »Echtzeit«. Diese Methode möchten wir im Workshop vorstellen und den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sie selbst zu erproben – als Spielende wie als Beobachtende. Wir werden dabei von einfachen, monologischen Beispielen zu polylogischen fortschreiten, um einen Eindruck von der Bandbreite der Einsatzformen zu geben. Dem Kontext entsprechend wählen wir dafür die Organisationsform einer Konferenz.

Unser inhaltlicher Fokus wird auf Beispielen gegenwärtiger postpluralistischer Wortergreifung und Diskursaneignung liegen. Als wie ›fremd‹ empfinden wir die Subjekte von Äußerungen, die wir politisch ablehnen? Woran erkennen wir diese Fremdheit? Was können wir lernen, wenn wir uns mit ihr (technisch, spielerisch) identifizieren? Es wird neben handwerklichen Aspekten also auch um Potentiale und Risiken von Reenactment als Aufklärungsinstrument gehen – als eine hybride Alternative zu klassischer Figurendarstellung, aber auch den Fronten zwischen #ÜberRechteReden und #MitLinkenLeben.

Sprache: Die Materialsprache wird vorwiegend deutsch sein, die Arbeitssprache deutsch/englisch nach Bedarf.

Infos zur Workshopleitung

Marina Miller Dessau studierte Schauspiel am Mozarteum in Salzburg. Sie beobachtet stark oszillierendes Verhalten von Menschen im Netz, sucht nach körperlichen Übersetzungen fürs Theater und beschäftigt sich mit Hochtechnologie für den performativen Körper.

Arne Vogelgesang studierte Regie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, bastelt mit Internet- & Software-Material und hält Vorträge/gibt Workshops zu radikaler Propaganda.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen machen Arne und Marina als internil recherchebasiertes Performancetheater. Ihre Arbeiten waren eingeladen zum Impulse Theaterfestival oder den Schillertagen, erhielten den Bremer Autoren- und Produzentenpreis und wurden im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Im kommenden Jahr werden sie u.a. für das Staatstheater Darmstadt tätig sein.

»Komm ins Offene«

mit Peter Konwitschny

So, 23.06.2019, 14:30—16:30 Uhr
Schauspiel Leipzig, Probebühne

»Komm ins Offene« beginnt ein Hölderlin-Gedicht. Viele Opern lassen sich anders lesen, als »am Ende steht der Tod«, nämlich »raus aus dem Geschlossenen«, wenn man nur die Musik zu Rate zieht. Die politische Konsequenz einer solchen Interpretation ist erheblich.
Sprache: deutsch
Infos zur Workshopleitung
Peter Konwitschny, 1945 geboren, Schule in Leipzig, Studium der Opernregie in Berlin, danach neun Jahre Regieassistent am Berliner Ensemble bei Ruth Berghaus. Ab 1980 freier Regisseur in Schauspiel und Musiktheater, Unterricht für Sänger, Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen und Bühnenbildner.

Brecht, praktisch

Spielprozess und Reflexion mit dem Lehrstück
mit Swantje Nölke (Leipzig) und Florian Vaßen (Hannover)

So, 23.06.2019, 14:30—16:30 Uhr
Schauspiel Leipzig, Studiobühne

 

Brechts Lehrstücke sind lange als Belehrung oder Agitprop missverstanden und deshalb von Links und Rechts scharf kritisiert worden. Erst ist den 1970er Jahren wurde erkannt, dass es um theatrale Übungen geht mit dem Ziel einer politischen »Selbstverständigung« der Spielenden. Deshalb ist Brechts englische Übersetzung learning play (›Lernspiel‹) auch der präzisere Begriff. Brecht nennt die Lehrstücke eine Versuchsreihe, die im Gegensatz zum epischen Theater »die eigentlichen Theater nicht benötigt«. Die zentrale These lautet: »das lehrstück lehrt dadurch, daß es gespielt, nicht dadurch, daß es gesehen wird. prinzipiell ist für das lehrstück kein zuschauer nötig, jedoch kann er natürlich verwertet werden«. In einem selbstreflexiven politisch-pädagogischen Spiel-Prozess werden Theorie und Praxis eng miteinander verbunden. Dabei geht es nicht um Meinungen und Überzeugungen, es interessiert nicht der Inhalt von »These und Gegenthese«, sondern die Teilnehmenden sollen Haltungen einnehmen, die praktisch erprobt werden, es handelt sich um »Geschmeidigkeitsübungen«, wie Brecht es nennt. Mit der »durchführung bestimmter handlungsweisen, einnahme bestimmter haltungen, wiedergabe bestimmter reden« wird performativ experimentiert, um so im Spiel- und Denkprozess zu einer Theorie fundierten Erfahrungsproduktion zu kommen. Wir wollen in diesem Workshop praktisch erproben, welchen Stellenwert Brechts Lehrstücke heute in politischen-pädagogischen, ästhetisch-theatralen Prozessen haben können.

Die Workshopsprache ist deutsch mit englischen Ergänzungen. Der Workshop ist begrenzt auf 20 Teilnehmer*innen.

Voranmeldung erbeten unter abstracts@brechtunterfremden.org.

Infos zur Workshopleitung

Swantje Nölke studierte Deutsche Literaturwissenschaft, Politische Wissenschaften und Deutsch als Fremdsprache an der Leibniz Universität Hannover. Danach Tätigkeiten als freie Theaterpädagogin und Lehrbeauftragte für Darstellendes Spiel, Dramaturgin, Pressereferentin und Produktionsleiterin, u. a. am Niedersächsischen Staatstheater Hannover, bei den internationalen Festivals Theaterformen und TANZtheater INTERNATIONAL und dem Teatro da Universidade de São Paulo. Zuletzt war sie als Theaterpädagogin am Schauspiel Leipzig engagiert und leitet heute das interkulturelle Theaterprojekt Storybo[a]rder am KulturKino zwenkau.

Florian Vaßen, Prof. Dr., Professor für Neuere deutsche Literatur an der Leibniz Universität Hannover, Leiter des Studiengangs Darstellendes Spiel und der Arbeitsstelle Theater/Theaterpädagogik bis 2009, Mitbegründer und Mitherausgeber der »Zeitschrift für Theaterpädagogik«. Wichtige Publikationen: »Korrespondenzen. Theater – Ästhetik – Pädagogik« (2010); »Collective Creativity« (2011); »Bibliographie Heiner Müller« (2013); »Brecht gebrauchen. Theater und Lehrstück – Texte und Methoden« (2016).