Gestisch Leben — preparing Brecht unter Fremden

Veranstaltungsreihe des Centre of Competence for Theatre (CCT) und des
Instituts für Theaterwissenschaft im WiSe 18/19 und SoSe 19

5. Dezember 2018 – 29. Mai 2019
immer mittwochs 17–19 Uhr im Hörsaal des
Instituts für Theaterwissenschaft, Ritterstraße 16, 1. OG

Alle Termine in unserem Kalender sowie auf dem Programmflyer.

Nächste Veranstaltung

Diederik Peeters (SPIN Brüssel)
Lecture und Gespräch mit Thomas Frank (Residenz des Schauspiel Leipzig):

Besessene Maschinen
am 12. Dezember 2018, 13 Uhr s.t.
im Hörsaal des Institut für Theaterwissenschaft, Ritterstr. 16, 1. OG, 04109 Leipzig

Mit der technischen Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, Stimmen ohne Körper erklingen zu lassen, erfuhren die Phantasien von der Existenz von Geistern eine neue Dimension. Auf der Suche nach dem vermeintlichen Zusammenhang zwischen der körperlosen Stimme, dem Tod und dem Leben nach dem Tod erforscht der belgische Performancekünstler Diederik Peeters Vergangenheit und Zukunft. Dabei taucht er tief ins 19. Jahrhundert ein und erkundet die damaligen Phantasien und Mysterien um populäre Erfindungen wie den Phonographen. Zugleich katapultiert er sich ans Ende des 21. Jahrhunderts, um herauszufinden, welche technologischen Entwicklungen zukünftig benutzt werden könnten, um Tote zum Leben zu erwecken und Gespenstern und Geistern Zugang zu Körpern zu gewähren. Navigierend zwischen Geschichte und Science-Fiction, zwischen Skeptizismus und Zuversicht, ist Peeters in dem zweijährigen Recherche- und Produktionsprojekt „Apparitions“ auf einer Geisterjagd, bei der sich Wissenschaft mit Magie und Technologie mit Horror verbindet.

Die Lecture des belgischen Performancekünstlers Diederik Peeters und das anschließende Gespräch mit Thomas Frank geben Einblicke in das Projekt, das Ende Juni 2019 an der Residenz des Schauspiel Leipzig gezeigt wird.

SPIN Brüssel ist eine von den Künstler*innen Hans Bryssinck, Diederik Peeters, Kate McIntosh und Laura Deschepper betriebene Produktions- und Forschungsplattform. Als Spielplatz für Verbindun­gen und Kollaborationen von Einzelkünstler*innen mit diversen Organisationen, Institutionen und Publikumsgruppen versucht es, die projekt-basierte Realität freier Kunstproduktion zu überschreiten und Langzeitperspektiven für künstlerische Praktiken zu entwickeln.
www.spinspin.be

 

Zur Reihe

Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe Gestisch Leben – preparing Brecht unter Fremden statt, einer Veranstaltungsreihe des Centre of Competence for Theatre (CCT) und des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig in Vorbereitung des internationalen wissenschaftlich-künstlerischen Symposiums BRECHT UNTER FREMDEN / BRECHT AMONG STRANGERS, das vom 19.–23. Juni 2019 in Leipzig.

Gestisch leben heißt handeln unter Umständen, die keinen Halt und keine Orientierung bieten. Gestisch leben ist eine Fähigkeit, die für das Zusammenleben unter Fremden dringend benötigt ist. Bertolt Brecht hat sich Zeit seines Lebens mit der Theorie und Praxis der Geste beschäftigt. Er hat Vorschläge gemacht, wie sich in der Gegenwart gestisch leben lässt.

Gestisch Leben – preparing Brecht unter Fremden ist eine fortlaufende Reihe von Lecture Performances, die im Wintersemester 2018/19 und im Sommersemester 2019 in der Regel mittwochs von 17–19 Uhr stattfinden. Damit werden Künstler*innen und Wissenschaftler*innen vorgestellt, die auf dem Symposium mit einem Projekt vertreten sein werden und/oder thematisch Wichtiges dazu beizutragen haben.

 

  • Organisatoren

Kommende Termine

Wintersemester 18 / 19

09.01.19
Thomas Goerge, Lionel Somé, Michael von zur Mühlen (Halle)
Afrikanisierung der Oper – Dekolonisierung des Geistes

23.01.19
Gesa Foken (Leipzig)
Utopie light. Zu Offenheitsdialektik sowie dem Rauschen in Kunst und Gesellschaft

30.01.19
Günther Heeg, Sophia-Charlotte Reiser, Henrike Schmidt, Dana Soubh, Helena Wölfl (Leipzig)
Lass‘ Dich/Mich verführen. Mit Brechts Hauspostille durch Leipzig. Reenactment Walk

06.02.19
Jane Felber, Franz Knoppe (Chemnitz)
neue unentd_ckte narrative

 

Sommersemester 19

10.04.19
Bettina Bartz, Seollyeon Konwitschny, Hans-Georg Wegner (Berlin, Neumarkt)
„Flaschenpost an die Nachgeborenen“ – zur historischen Entstehung und aktuellen Interpretation der politischen Märchenopern
Der Kaiser von Atltantis von Victor Ullmann und Lanzelot von Paul Dessau

17.04.19
René Reinhardt, Patrick Primavesi (Leipzig)
Fahrradtour zu Kuhle Wampe

24.04.19
Olav Amende, Melanie Gruß, Michael Wehren (Leipzig)
Das Messingkauf-Projekt

08.05.19
Florian Vaßen, Swantje Nölke (Hannover, Leipzig)
Zur Lehrstückarbeit nach Brecht

15.05.19
Anja-Christin Winkler, Cornelia Blochmann, Antje Schindler, Nils Matzka (Leipzig)
Jasager / Fallstudien. Ein Projekt mit Schüler*innen

22.05.19
Michelle Bray, Lara Chahal, Thespis-Zentrum (Bautzen)
Eine Suche nach transkultureller Normalität

29.05.19
friendly fire (Leipzig)
Among Us / Unter Uns: Initials BB

Vergangene Veranstaltungen

05.12.18: Marina Miller Dessau, Arne Vorgelgesang (internil, Berlin)
Nur mehr Besiegte. Postpolitisches Theater in der Kopiermaschine Internet

Auftakt der Reihe am 5. Dezember 2018, 17 Uhr

Marina Miller Dessau und Arne Vogelgesang
(internil Verein zur Untersuchung sozialer Komposition)

NUR MEHR BESIEGTE. Postpolitisches Theater
in der Kopiermaschine Internet

einmalig abweichend im Geschwister-Scholl-Haus
Institut für Kunstpädagogik | Ritterstr. 8–10 | 04109 Leipzig

In den vergangenen Jahren haben sich mit der Entwicklung neuer sozialer Medien auch Art und Ausmaß des politischen Engagements von Bürgerinnen und Bürgern geändert: Defensive „Politikverdrossenheit“ kippt zunehmend in aktive Demokratiefeindlichkeit. Der performative Vortrag der beiden Mitglieder des Theaterlabels internil geht mittels Beispielen und Nachspielen auf eine Reise von der politischen Egomaschine des Vlogs bis in den post-ironischen Faschismus der neuen rechten Trollfront.

Der internil Verein zur Untersuchung sozialer Komposition wurde 2005 in Wien gegründet. Ziel der gemeinnützigen Arbeit ist die Schaffung eines Qualitätslabels für theatralische Dienstleistungen an das sterbende (deutsche) Bürgertum. Seit der Gründung arbeitete internil in wechselnden Formationen mit einer großen Bandbreite an Ausgangsmaterialien: Architektur, Graffiti, Musik, Video, Fernsehen, Literatur, Internet. Kennzeichnend sind dabei kontextbezogene und pseudopartizipative Arbeiten im Bereich Theater/Performance/Aktion. Wesentlicher methodischer Bezugspunkt ist die Lehrstücktheorie Bertolt Brechts. www.internil.net