Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig

Zur Einbindung internationaler Expertise in die Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung aktueller theater- und kulturbezogener Fragestellungen wurde zum Wintersemester 2017/18 am Centre of Competence for Theatre die Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig eingerichtet. Diese bringt den nachhaltigen Theorie-Praxis Transfer zwischen Wissenschaften und Künsten sowohl in die Lehre am Institut für Theaterwissenschaft als auch in den öffentlichen Diskurs der Stadt Leipzig ein. Die Gastprofessur wird halbjährlich an herausragende Praxisvertreterinnen und -vertreter der darstellenden Künste und ihrer medialen Reflektion vergeben, welche eine nachweisliche Bereicherung des wissenschaftlichen Diskurses und/oder der wechselseitigen Reflektion von Theorie und Praxis des Theaters in allen seinen Spielformen zu erbringen versprechen. 

Die Gastprofessur wird im Wintersemester 2019/20 mit Frau Antonia Baehr besetzt, einer international tätigen und renommierten Choreografin, Performerin, Filmemacherin und bildenden Künstlerin. Antonia Baehr lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Stücke untersuchen unter anderem die Fiktion des Alltäglichen und des Theaters. Baehr studierte bei Valie Export in Berlin und absolvierte ihren Master am School of the Art Institute of Chicago. Seit 2006 unterrichtet sie als Gastprofessorin an verschiedenen Hochschulen Europas. Baehr ist Produzentin des Pferdeflüsterers und Tänzers Werner Hirsch, des Musikers und Choreografen Henri Fleur, des Composer/Performers und Ex-Ehemanns Henry Wilde u.a.

Ihre bekanntesten Bühnenproduktionen, in welchen sie teilweise selbst in verschiedenen Figuren auftritt, waren bisher: Un après-midi (2003), Danke (2006), Lachen (2008), Over The Shoulder (2009), For Faces (2010), Abecedarium Bestiarium (2013), The Wildes (2014), Misses und Mysterien (2015), Normal Dance (2016), Musik für tote Tiere (Serie, seit 2017) und Exit (2018). Neben ihren Theater- und Performancearbeiten sowie Einzel- und Gruppenausstellungen hat Antonia Baehr bereits mehrere Bücher veröffentlicht und zwei Hörspiele produziert.

 

 

Veranstaltungen zur Gastprofessur von Antonia Baehr

Empfang von Antonia Baehr als Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig am CCT

Dienstag, 29. Oktober 2019, 19 Uhr
Alter Senatssaal der Universität Leipzig | Ritterstraße 26, 1. OG | 04109 Leipzig.

 

Bertolt Brecht Gastprofessor im Sommersemester 2019 — Michael von zur Mühlen

Die Gastprofessur wird im Sommersemester 2019 von Herrn Michael von zur Mühlen besetzt, einem der interessantesten Regisseure und Dramaturgen europäischen Gegenwartstheaters. Seit 2004 inszeniert er genreübergreifend Schauspiel, Oper und zeitgenössisches Musiktheater u.a. am Forum Neues Musiktheater der Staatsoper Stuttgart, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, der Oper Leipzig, dem Nationaltheater Weimar, dem DT Göttingen, dem Staatstheater Darmstadt, der Staatsoper Berlin und der Oper Halle.

Seit Beginn der Spielzeit 2016/17 ist er Regisseur und Chefdramaturg im Leitungsteam der Oper Halle, deren avanciertes Programm seit dem künstlerischen Neustart im Sommer 2016 deutschlandweit große Beachtung gefunden hat. So erhielt die Oper Halle bspw. in der Saisonbilanz 17/18 der Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne in der Kategorie „Überzeugendste Theaterarbeit abseits großer Theaterzentren“ die meisten Nennungen und wurde damit als wichtiger kultureller Leuchtturm ausgewiesen.

Eine wichtige Rolle in der Arbeit von zur Mühlens spielt die Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht, dessen Werke Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Leben des Galilei, Lehrstück und Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny er inszenierte. Zur Mahagonny-Inszenierung (2016, Oper Halle) schrieb Theater der Zeit: „Das ist Kapitalismuskritik auf der Höhe ihres Gegenstandes.“

Michael von zur Mühlen studierte Musikwissenschaften und Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Er ist regelmäßiger Gast bei Podiumsdiskussionen (u.a. Salzburger Festspiele, Akademie der Künste, Staatsoper Berlin, Brechthaus Berlin) und veröffentlichte Essays und Beiträge zu Musik und Theater in Zeitschriften wie Die Deutsche Bühne und Theater der Zeit.

Bertolt Brecht Gastprofessur im Wintersemester 2018/19 — Helena Waldmann

Die Gastprofessur wurde im Wintersemester 2018/19 von Frau Helena Waldmann besetzt, einer der bedeutendsten freien Tanzregisseurinnen des europäischen Gegenwartstheaters. Ihre Choreographien entstehen und touren weltweit. Die Themen ihrer Arbeiten reichen von der erschreckend anarchischen Freiheit der Demenz (revolver besorgen, 2010) und vom lustvollen Spiel mit Abhängigkeiten (BurkaBondage, 2009) bis zum anarchischen Fest gegen die Arbeitsdiktatur der Leistungsgesellschaft (feierabend! – das gegengift, 2008). Waldmanns Stücke entstehen in Dhaka, Tokyo, Kabul, aber auch in Teheran, wo sie äußerlich eingeschränkte, aber umso souveränere Frauen in islamischen Staaten feiert (Letters from Tentland – dance under cover, 2005) und die Antworten auf die europäische Asylpolitik durch iranischen Exilantinnen inszeniert (return to sender – Letters from Tentland, 2006). Sie arbeitete in Ramallah mit Menschen, die tanzen müssen, um unter den Umständen der Blockade nicht verrückt zu werden (emotional rescue, 2006) und in Salvador de Bahia, wo sie für ihre von Fremdbestimmung gefangenen Wesen (Headhunters, 2003) den Theaterpreis der UNESCO erhielt.

Waldmanns Choreographien ziehen im Sinne Brechts Parallelen zwischen sozialen und künstlerischen Bedingungen von Produktion, (Selbst-)Ausbeutung und (unfreiwilliger) Zugehörigkeit zu sozialen oder nationalen Gruppen. Für ihre Inszenierung Made in Bangladesh (2014), welche die Lebenswelten von Näherinnen in Südasien in Analogie zum Tänzerprekariat in der westlichen Welt brachte, wurde sie für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2015 nominiert. Zuletzt untersuchte sie mit Tänzern, Akrobaten und 22 Mauerbauern das Ansehen des Passes in Hinblick auf die Bewegungsfreiheit, die er garantiert oder nimmt (Gute Pässe Schlechte Pässe, 2017).

Der Öffentliche Empfang zu Ehren der Bertolt Brecht Gastprofessorin der Stadt Leipzig Helena Waldmann fand am

Freitag, 2. November 2018, 18 Uhr
in der Aula der Volkshochschule Leipzig | Löhrstraße 3-7 | 04105 Leipzig statt.

Weitere Informationen

Weitere Veranstaltungen:

Screening und Gespräch zu Made in Bangladesh (2014)
REIHEN WEISE FREMD | STRANGE IN SERIES #2

Donnerstag, 22. November 2018, 19 Uhr
Institut für Theaterwissenschaft | Ritterstraße 16 | 04109 Leipzig

Weitere Informationen

Die Grenzen des Möglichen erweitern
Gespräch der Bertolt Brecht Gastprofessorin Helena Waldmann
mit Heike Faude (Festival Theater in Bewegung, Jena) und Patrick Primavesi (Institut für Theaterwissenschaft, Uni Leipzig)

Donnerstag, 29. November 2018, 19.30 Uhr
Ost-Passage Theater | Konradstraße 27 | 04315 Leipzig

Weitere Informationen

Bertolt Brecht Gastprofessur im Sommersemester 2018 — Motoi Miura

Im Sommersemester 2018 geht die Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig – unter dem Vorbehalt seiner Ernennung durch die Rektorin der Universität Leipzig – an den japanischen Theaterregisseur Motoi Miura.
Motoi Miura ist einer der bedeutendsten Regisseure des japanischen Gegenwartstheaters mit internationaler Wirkung und Ausstrahlung. Er leitet seit 2001 die japanische Theatergruppe CHITEN („Ort“, „Platz“) in Kyoto und ist mit ihr in Gastspielen u.a. in Moskau, St. Petersburg, London, Frankreich und Deutschland hervorgetreten. Aufsehen erregte seine Inszenierung von Elfriede Jelineks „Kein Licht“ auf dem wichtigsten japanischen Theaterfestival, Festival/Tokyo, 2012. Motoi Miura und CHITEN haben einen eigenen Stil entwickelt, der die Grundzüge des japanischen Puppenspiels Bunraku und Brechts Theorem  der Trennung der Elemente äußerst gewinnbringend verbindet: Eine eigenständige, hochmusikalisierte Stimmführung und ein  ebenso eigenständiges Gestenrepertoire, jeweils differenziert und nuanciert den unterschiedlichen Stücken und Räumen der Inszenierung angepasst.

Miura und CHITEN beziehen sich implizit und explizit auf Brecht: Mit FATZER (2013) hatten sie zwei Gastspiele in Leipzig und bei den Fatzer-Tagen in Mülheim. Im Juni 2019 wird Motoi Miura mit CHITEN im Rahmen des 16. Symposium der International Brecht Society mit dem Titel „Brecht unter Fremden“ in Leipzig zu Gast sein und die Produktion Brechtseller zeigen. Im Rahmen der Bertolt Brecht Gastprofessur im Sommersemester 2018 wird Motoi Miura mit den Studierenden des Instituts für Theaterwissenschaft szenisch zu Die drei Schwestern von Anton Tschechow arbeiten.

 

Der öffentliche Empfang zu Ehren der Ernennung von Motoi Miura zum Bertolt Brecht Gastprofessor findet am Dienstag, 26. Juni 2018 im Alten Senatssaal der Universität Leipzig statt. Am Montag, 2. Juli 2018, wird eine Diskussionsveranstaltung mit Motoi Miura zum (japanischen) Gegenwartstheater im Ost-Passage-Theater stattfinden. Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie in unserem Kalender.

Bertolt Brecht Gastprofessur im Wintersemester 2017/18 — Peter Konwitschny

Die Gastprofessur wurde im Wintersemester 2017/18 mit Herrn Peter Konwitschny erstmalig besetzt. Der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Musiktheaterregisseur ist einer der wichtigsten und prominentesten Regisseure des internationalen Musiktheatergeschehens der letzten Jahrzehnte. Peter Konwitschny absolvierte ein Regiestudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und assistierte von 1971 bis 1979 am Berliner Ensemble unter der Intendanz von Ruth Berghaus. Er inszeniert seit 1980 hauptsächlich Opern, aber auch Dramen und Stücke u.a. von Bertolt Brecht, Heiner Müller und Gerhart Hauptmann. Seit 1990 ist er in ganz Europa und darüber hinaus ein gefragter und kontrovers diskutierter Regisseur (u.a. in Graz, Basel, Moskau, Paris, Kopenhagen, Wien, Tokio, Barcelona, Amsterdam, Seoul). 2008–2011 war Konwitschny Chefregisseur der Oper Leipzig. Peter Konwitschny ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Mitglied u.a. der Akademie der Künste zu Berlin, der Freien Akademie der Künste zu Leipzig sowie Honorarprofessor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Empfang

Am Montag, 11. Dezember 2017, fand im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses ein gemeinsamer Empfang von Universität und Stadt Leipzig aus Anlass des Amtsantrittes von Prof. Peter Konwitschny statt. Bilder von dieser Veranstaltung finden sich demnächst hier.

Gesprächsrunde

Am Donnerstag, 11. Januar 2018, berichtete Peter Konwitschny in einer Gesprächsrunde mit der Dramaturgin Bettina Bartz und dem Theaterwissenschaftler Günther Heeg über seine Arbeiten der vergangenen Jahre. Die öffentliche Veranstaltung fand im großen Saal der Schaubühne Lindenfels statt.