Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig

Zur Einbindung internationaler Expertise in die Forschung, Lehre und öffentliche Vermittlung aktueller theater- und kulturbezogener Fragestellungen wurde zum Wintersemester 2017/18 am Centre of Competence for Theatre die Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig eingerichtet. Diese bringt den nachhaltigen Theorie-Praxis Transfer zwischen Wissenschaften und Künsten sowohl in die Lehre am Institut für Theaterwissenschaft als auch in den öffentlichen Diskurs der Stadt Leipzig ein. Die Gastprofessur wird halbjährlich an herausragende Praxisvertreterinnen und -vertreter der darstellenden Künste und ihrer medialen Reflektion vergeben, welche eine nachweisliche Bereicherung des wissenschaftlichen Diskurses und/oder der wechselseitigen Reflektion von Theorie und Praxis des Theaters in allen seinen Spielformen zu erbringen versprechen. 

 

Im Sommersemester 2018 geht die Bertolt Brecht Gastprofessur der Stadt Leipzig – unter dem Vorbehalt seiner Ernennung durch die Rektorin der Universität Leipzig – an den japanischen Theaterregisseur Motoi Miura.
Motoi Miura ist einer der bedeutendsten Regisseure des japanischen Gegenwartstheaters mit internationaler Wirkung und Ausstrahlung. Er leitet seit 2001 die japanische Theatergruppe CHITEN („Ort“, „Platz“) in Kyoto und ist mit ihr in Gastspielen u.a. in Moskau, St. Petersburg, London, Frankreich und Deutschland hervorgetreten. Aufsehen erregte seine Inszenierung von Elfriede Jelineks „Kein Licht“ auf dem wichtigsten japanischen Theaterfestival, Festival/Tokyo, 2012. Motoi Miura und CHITEN haben einen eigenen Stil entwickelt, der die Grundzüge des japanischen Puppenspiels Bunraku und Brechts Theorem  der Trennung der Elemente äußerst gewinnbringend verbindet: Eine eigenständige, hochmusikalisierte Stimmführung und ein  ebenso eigenständiges Gestenrepertoire, jeweils differenziert und nuanciert den unterschiedlichen Stücken und Räumen der Inszenierung angepasst.

Miura und CHITEN beziehen sich implizit und explizit auf Brecht: Mit FATZER (2013) hatten sie zwei Gastspiele in Leipzig und bei den Fatzer-Tagen in Mülheim. Im Juni 2019 wird Motoi Miura mit CHITEN im Rahmen des 16. Symposium der International Brecht Society mit dem Titel „Brecht unter Fremden“ in Leipzig zu Gast sein und die Produktion Brechtseller zeigen. Im Rahmen der Bertolt Brecht Gastprofessur im Sommersemester 2018 wird Motoi Miura mit den Studierenden des Instituts für Theaterwissenschaft szenisch zu Die drei Schwestern von Anton Tschechow arbeiten.

Bertolt Brecht Gastprofessur im Wintersemester 2017/18 — Peter Konwitschny

Die Gastprofessur wurde im Wintersemester 2017/18 mit Herrn Peter Konwitschny erstmalig besetzt. Der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Musiktheaterregisseur ist einer der wichtigsten und prominentesten Regisseure des internationalen Musiktheatergeschehens der letzten Jahrzehnte. Peter Konwitschny absolvierte ein Regiestudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und assistierte von 1971 bis 1979 am Berliner Ensemble unter der Intendanz von Ruth Berghaus. Er inszeniert seit 1980 hauptsächlich Opern, aber auch Dramen und Stücke u.a. von Bertolt Brecht, Heiner Müller und Gerhart Hauptmann. Seit 1990 ist er in ganz Europa und darüber hinaus ein gefragter und kontrovers diskutierter Regisseur (u.a. in Graz, Basel, Moskau, Paris, Kopenhagen, Wien, Tokio, Barcelona, Amsterdam, Seoul). 2008–2011 war Konwitschny Chefregisseur der Oper Leipzig. Peter Konwitschny ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Mitglied u.a. der Akademie der Künste zu Berlin, der Freien Akademie der Künste zu Leipzig sowie Honorarprofessor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Empfang

Am Montag, 11. Dezember 2017, fand im Ratsplenarsaal des Neuen Rathauses ein gemeinsamer Empfang von Universität und Stadt Leipzig aus Anlass des Amtsantrittes von Prof. Peter Konwitschny statt. Bilder von dieser Veranstaltung finden sich demnächst hier.

Gesprächsrunde

Am Donnerstag, 11. Januar 2018, berichtete Peter Konwitschny in einer Gesprächsrunde mit der Dramaturgin Bettina Bartz und dem Theaterwissenschaftler Günther Heeg über seine Arbeiten der vergangenen Jahre. Die öffentliche Veranstaltung fand im großen Saal der Schaubühne Lindenfels statt.